Quelle: Aachener Nachrichten

„Demokratie darf nicht an den Werkstoren Halt machen“

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Neujahrsempfang beim DGB mit Geschäftsführer Ralf Woelk (vorne Mitte) und den beiden Hauptrednern Achim Schyns (v.l.) und Martin Peters (v.r.). Foto: Andreas Herrmann
Neujahrsempfang beim DGB mit Geschäftsführer Ralf Woelk (vorne Mitte) und den beiden Hauptrednern Achim Schyns (v.l.) und Martin Peters (v.r.). Foto: Andreas Herrmann

Martin Peters: „Wir wollen keinen Strukturbruch, sondern einen Strukturwandel“, betonte er. Und er bat die Vertreter von Landes- und Bundesregierung für eine entsprechende Förderung in der Städteregion zu sorgen.

Aachen: Manchen sind die großen Gewerkschaften ein Dorn im Auge. Doch nichtsdestotrotz haben sie eine Daseinsberechtigung und auch in Zukunft noch wichtige Aufgaben zu erfüllen, dessen war man sich beim Neujahrsempfang des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) einig.

Vertreter vieler Gewerkschaften – mitunter auch aus Belgien – blickten dabei im DGB-Haus in Aachen auf ein erfolgreiches Jahr zurück.

Immer wieder werde gefragt, ob es denn die alten, großen Gewerkschaften in der heutigen Zeit überhaupt noch brauche, so Achim Schyns, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Geschäftsstelle Aachen. Eine Frage, die sich ihm angesichts der Veränderungen in der Wirtschaft in keiner Weise stelle.

Die vernetzte Welt der Industrie 4.0 und die immer zahlreicheren Roboter, die in die Arbeitswelt Einzug halten, sind für ihn nur einer der Gründe. „Wir müssen uns vor allem fragen: Welche Rolle wird in Zukunft das Handwerk noch spielen?“, sagte er. Man dürfe sich bei dieser Entwicklung nichts vormachen, denn „in der Summe werden dadurch Arbeitsplätze wegfallen“.

Doch was tun mit dem Mehr an Zeit, welches durch die Automatisierung übrig bleiben wird? Geht es nach Schyns, so sollte davon wieder mehr für die Familie übrig bleiben, und nicht – wie einige Arbeitgeber fordern – für verlängerte Arbeitszeiten.

Überhaupt sei es mit den Arbeitnehmerrechten in vielen deutschen Unternehmen nicht so gut bestellt, wie allgemein angenommen werde – auch nicht in der Städteregion. „Noch heute erleben wir, dass es gar nicht so einfach ist, etwa einen Betriebsrat zu gründen“, beklagte er. So habe es etwa in Aachen und in Heinsberg fristlose Kündigungen und Strafversetzungen der Arbeiter gegeben, als diese einen eigenen Betriebsrat in den jeweiligen Firmen etablieren wollten. Das seien Zustände, gegen die die Gewerkschaften verstärkt kämpfen müssten, so Schyns. „Demokratie darf nicht an den Werkstoren Halt machen.“

Auch der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Geschäftsstelle in Stolberg, Martin Peters, forderte, nach der erfolgreichen Einführung des Mindestlohns nun auch gegen Leiharbeit und Zeitarbeitsverträge vorzugehen. Ihn beschäftigt ebenso der wirtschaftliche Wandel in der Region. „Wir wollen keinen Strukturbruch, sondern einen Strukturwandel“, betonte er. Und er bat die Vertreter von Landes- und Bundesregierung für eine entsprechende Förderung in der Städteregion zu sorgen.

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