Eifeler Zeitung, Peter Stollenwerk

Ein Neubeginn in der Seniorenresidenz

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Itertal- Seniorenzentren übernehmen ab 5. Oktober die Einrichtung in Simmerath.

Simmerath. Das Personal kann im Hause bleiben. Simmerath. Weißer Rauch in der Seniorenresidenz Simmerath: Die Stunden quälender Ungewissheit für 58 Bewohner und zahlreiche Angehörige sind vorbei: Am Donnerstagabend wurde ein neuer Träger für die bislang zur Alloheim Senioren-Residenzen GmbH gehörende Einrichtung vorgestellt. Die Itertal Seniorenzentren werden ab 5. Oktober die Einrichtung am Simmerather Rathausplatz übernehmen. In Abwesenheit des bisherigen Trägers gab Angelika Hitz vom städteregionalen Sozialamt als Vertreterin der Heimaufsicht den erfolgreichen Abschluss der nur 90-minütigen Vertragsverhandlungen bekannt.

„Reibungsloser Übergang“

Der neue Betreiber wird sowohl den Pflegebereich mit 80 Plätzen wie auch das betreute Wohnen übernehmen. Auch dem Personal wird das Angebot einer Weiterbeschäftigung unterbreitet. Mit Beifall quittierten Bewohner und Angehörige diese Entscheidung.

Der neue Träger stellte sich kurz vor. Der geschäftsführende Gesellschafter der Itertal Seniorenzenren, Dr. Christoph Kösters, sagte einen „reibungslosen Übergang“ zu. Dass der neue Träger offenbar vertrauenswürdig ist, unterstreicht die Tatsache, dass bereits sechs Bewohner der Seniorenresidenz einen Wechsel ins Itertal-Seniorenzentrum Roetgen vorgesehen hatten.

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Diese positive Entwicklung hatte sich bereits am Mittwochabend abgezeichnet, wo Vertreter der Alloheim GmbH, der Pflegekassen, der Städteregion und der Gemeinde Simmerath über den Zwischenstand der laufenden Vertragsverhandlungen mit einem möglichen neuen Betreiber berichtet hatten.

Im voll besetzten Tagesraum der Seniorenresidenz am Rathausplatz hatten sich rund 100 Betroffene und Interessierte eingefunden, um aus erster Hand informiert zu werden, nachdem, wie mehrfach berichtet, die Heimaufsicht der Städteregion Aachen die Reißleine gezogen und eine Untersagung des Betriebs angeordnet hatte. Zum 4. Oktober sollte die Seniorenresidenz demnach geschlossen werden. Anhaltende und gravierende Pflegemängel aus Sicht der Prüfbehörde hatten diesen radikalen Schritt erforderlich gemacht.

Wichtige und beruhigende Nachrichten nahmen die Teilnehmer nach der gut einstündigen Gesprächsrunde mit nach Hause: Es werde keine Evakuierung der 58 Bewohner in andere Einrichtungen geben, die Vertragsverhandlungen mit einem neuen Träger stünden vor dem Abschluss, der Verbleib der Bewohner in der Seniorenresidenz solle zu den bisherigen vertraglichen Bedingungen erfolgen und auch das Personal werde übernommen, so dass ein reibungsloser Übergang möglich sei.

Dank der besonnenen Moderation von Städteregionsrat Helmut Etschenberg wurde die leicht aufgeheizte Stimmung bei der Info-Veranstaltung heruntergekühlt. Die Wut der Betroffenen über das Verhalten des bisherigen Trägers war spürbar, und längst sind aus der Sicht der Angehörigen noch nicht alle Fragen geklärt.

Wegschauen ging einfach nicht mehr.

Helmut Etschenberg,
Städteregionsrat

Etschenberg als Verantwortlicher für die Heimaufsicht rollte noch einmal die Chronologie der Ereignisse auf, die letztlich zum massiven Eingreifen seiner Behörde geführt hatten. „Die erforderlichen Reaktionen des Betreibers erfolgten nicht.“ Beifall erhielt der Städteregionsrat für seine klare Differenzierung, „dass die Mitarbeiter im Haus diese Situation als allerletztes zu verantworten haben.“ Das Personal sei an die Rahmenbedingungen gebunden. Für die Heimaufsicht habe sich allerdings die Frage gestellt, wo die „Grenze zur Eskalationsstufe liegt“. Etschenberg bracht die Situation auf den Punkt: „Wegschauen ging einfach nicht mehr.“ Ansonsten hätte man in Kauf genommen, dass die Menschen gesundheitliche Schäden erlitten hätten.

Auch Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns („Viele Bewohner der Seniorenresidenz sind Bürger der Gemeinde Simmerath“) hatte sich in die Verhandlungen um einen Nachfolge-Betreiber eingebracht, wobei Etschenberg auf die Alloheim GmbH überhaupt nicht gut zu sprechen war: „Der bisherige Betreiber ist absolut nicht schutzwürdig!“ Daher dürfe die Folge eines Betereiberwechsels auch nicht nur ein „Etikettentausch“ sein, damit verbunden müsse auch eine inhaltlich neue Ausrichtung sein. Daher werde die Städteregion auch von ihrem Recht gebrauch machen, „weiterhin im Hause präsent zu sein“.

Bernd Claßen, stellvertretender Regionaldirektor der AOK in Aachen, sagte aus Sicht der Pflegekassen, dass man ein Interesse daran habe, dass der Betrieb in der Seniorenresidenz Simmerath fortgeführt werde, „aber nicht um jeden Preis“. Die Pflegekassen müssten die Gewährleistung bekommen, dass ein neuer Vertrag der Einrichtung auch eine neue Zukunft garantiere. „Wir möchten nicht in zwei Wochen hier wieder mit Ihnen zusammensitzen.“

Sowohl die Heimaufsicht als auch die Pflegeberatung sind in den kommenden Tagen Dauergast in der Seniorenresidenz und stehen für die individuelle Beratung bereit.

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