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Eifeler Zeitung, Andreas Gabbert

Neue Verbindungen und ein Nachtbus

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Angebot des Öffentlichen Nahverkehrs in Simmerath soll besser werden, etwa von Aachen aus und nach Rollesbroich.

SIMMERATH Das ÖPNV-Angebot in der Gemeinde Simmerath soll zum Fahrplanwechsel im Sommer verbessert werden. Vorgesehen sind eine Spät- beziehungsweise Nachtverbindung von Aachen nach Simmerath, die Anbindung des Gewerbe- und Industriegebietes Rollesbroich sowie allgemeine Angebotsverbesserungen.

Dazu zählen eine verbesserte Anbindung des Rurtals an Kesternich und Simmerath (Änderung der Linie 68), eine verbesserte Anbindung des Gewerbegebietes Simmerath (Änderung der Linie 68), eine spätere Verbindung von Aachen über den Bushof Simmerath ins Rurtal nach Woffelsbach, Rurberg und Einruhr (zusätzliche Fahrten auf der Linie 68 beziehungsweise 63 sowie Einführung eines bedarfsorientierten Angebots mit einem sogenannten Anruf-Linien-Taxi) sowie eine verbesserte Anbindung einzelner, peripher gelegener Ortschaften beziehungsweise Ortsteile (Einführung eines Anruf-Linien-Taxis). Dies würde die Gemeinde jährlich 41.000 Euro kosten. Außerdem soll auf Antrag des Ortsvorstehers von Dedenborn und Hammer, Helmut Kaulard, geprüft werden, ob mit Blick auf den Tourismus in den beiden Orten an den Wochenenden ebenfalls die Einrichtung eines Anruf-Linien-Taxis möglich ist. Günter Scheidt beantragte als Ortsvorsteher von Eicherscheid das Gleiche für seinen Ort, allerdings für alle Tage.

Gewerbegebiet Rollesbroich

Mit dem Vorgeschlagenen kommen wir deutlich weiter als bisher.

Christoph Poschen (CDU)

Solch ein Anruf-Linien-Taxi könnte künftig auch zur Anbindung des Gewerbe- und Industriegebietes Rollesbroich dienen. In der Vergangenheit gab es schon mehrere Versuche, das Gewerbe- und Industriegebiet Rollesbroich an den ÖPNV anzubinden. Zum Ende des Jahres 2008 hatten aber lediglich zwei Betriebe Interesse an einer ÖPNV-Verbindung bekundet, so dass das Thema nicht weiter verfolgt wurde. Sechs Jahre später zeigten neun Betriebe (von damals circa 44) Interesse. Daraufhin hatte die Verwaltung dem AVV vorgeschlagen, an der Völlesbruchstraße eine Haltestelle einzurichten, die von der SB 63 angefahren werden sollte. Dies lehnte der AVV ab, da dies zu einem zusätzlichen Zeitaufwand von circa fünf Minuten pro Fahrt der Schnellbuslinie 63 geführt hätte. Alternativ schlug der AVV vor, an der B 266 zwei Haltebuchten einzurichten. Diese hätten laut Auskunft der Verwaltung mindestens 300.000 Kosten verursacht. Außerdem sprach sich die Verkehrskommission (Polizei, Städteregion Aachen, AVV, Busunternehmen und Gemeinde Simmerath) gegen die Haltebuchten aus.

Der Busverkehr in der Gemeinde Simmerath soll attraktiver werden: In diesem Zusammenhang wurde auch über die Streckenführung der Schnellbuslinie 63 diskutiert. Foto: Andreas Gabbert

Nun hatte die SPD beantragt, eine Bushaltestelle im Gewerbegebiet einzurichten. Außerdem wurde der Verwaltung eine Liste mit rund 350 Unterschriften vorgelegt, deren Unterzeichner ebenfalls eine Bushaltestelle fordern, die regelmäßig angefahren werden soll. Inzwischen liegt eine weitere Unterschriftenliste vor, die von neun Unternehmen von derzeit circa 55 ansässigen Betrieben unterschrieben wurde.

Dies wurde zum Anlass genommen, eine Anbindung in das Gesamtkonzept der Aseag einzubeziehen. Die Aseag ist aber weiterhin gegen eine geänderte und zeitaufwendigere Streckenführung der Schnellbuslinie 63. Sie sieht jedoch die Möglichkeit, das Gewerbe- und Industriegebiet Rollesbroich mit einem bedarfsorientierten Angebot anzubinden und eine neue Haltestelle an der Völlesbruchstraße einzurichten. Die Aseag schlägt vor, ein Anruf-Linien-Taxi (ALT) als Ergänzung der Linie 68 einzurichten. Dieses Anruf-Linien-Taxi würde dann nach telefonischer Anmeldung nach einem vorgegebenen Fahrplan beziehungsweise auf einem vorgegebenen Linienweg verkehren. Wenn keine Anmeldungen vorliegen, würde das Anruf-Linien-Taxi nicht verkehren. Dieses Angebot würde Kosten von 21.450 Euro jährlich verursachen.

Es wäre schön, wenn die Betriebe im Gewerbegebiet nicht nur Briefe schreiben würden, sondern ihren Mitarbeitern Job-Tickets kaufen oder ihren Kunden vergünstigte Tickets für den ÖPNV zur Verfügung stellen würden.

Reinhold Köller (UWG)

Mit einer zusätzlichen Spätfahrt könnte eine weitere durchgehende Verbindung an den Wochenenden (nur in den Nächten von Freitag auf Samstag sowie vor Sonn- und Feiertagen) entstehen. Starten würde die Fahrt um 1.05 Uhr am Aachener Bushof und über Rott und Roetgen nach Simmerath führen, wo er dann gegen 2.15 Uhr ankommen würde. Für die Umsetzung bedarf es der Zustimmung der Gemeinden Roetgen und Simmerath. Die Gemeinde Roetgen hat dem bereits zugestimmt. Für die Gemeinde Simmerath würden hier Kosten in Höhe von 2800 Euro pro Jahr entstehen.

Mit den Vorschlägen zur Anbindung des Gewerbegebietes in Rollesbroich wollte sich die SPD aber nicht zufrieden geben, als jetzt im Struktur- und Hochbauausschuss der Gemeinde Simmerath über das Thema diskutiert wurde. Manfred Sawallich (SPD) konnte darin keine Erleichterung für die Berufstätigen erkennen und kritisierte, dass keine direkte Verbindung des Anruf-Linien-Taxis von Lammersdorf und Strauch nach Rollesbroich vorgesehen sei. „Das war nicht das Ziel des SPD-Antrages“, sagte er. Rollesbroichs Ortsvorsteher, Marc Topp (SPD), wies darauf hin, dass sich das Gewerbegebiet weiterentwickele, dass das Anruf-Linien-Taxi nicht optimal sei und die Gefahr bestehe, dass es nicht angenommen wird. Gregor Harzheim (SPD) erklärte, der Ausbau des ÖPNV sei wichtig, um die Attraktivität der Gemeinde zu erhöhen. Daher seien die Vorschläge grundsätzlich zu begrüßen. Für das Gewerbegebiet Rollesbroich sei aber eine Anbindung durch die Schnellbuslinie 63 nötig. Christoph Poschen (CDU) sah insgesamt eine deutliche Verbesserung. „Mit dem Vorgeschlagenen kommen wir deutlich weiter als bisher“, sagte er und signalisierte die Zustimmung seiner Fraktion. Dies verband er aber mit dem Wunsch, die Fahrgäste des Anruf-Linien-Taxis zu zählen, „um zu sehen, ob die Maßnahmen angenommen werden“. Klaus Stockschlaeder (Grüne) sprach sich ebenfalls für eine Zählung der Fahrgäste aus. Da er die Einwände der SPD nachvollziehen konnte, regte er an, das Taxi vom Bushof in Simmerath aus eine Schleife über Paustenbach und Lammersdorf nach Rollesbroich fahren zu lassen. Er erkannte aber auch die Gefahr einer Verwässerung der Schnellbuslinie und plädierte dafür, „erst mal so anzufangen“.

Erfassung der Fahrgastzahlen

Reinhold Köller (UWG) sprach von einem „guten Anfang“ und legte ebenfalls Wert auf die Erfassung der Fahrgastzahlen. Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns (CDU) bezeichnete das Anliegen der SPD als nachvollziehbar. Er wies aber auch darauf hin, dass die SB 63 in Roetgen keine Umwege mehr fahre, weshalb man sich in der Gemeinde Simmerath schwertue, solche zu fordern. Außerdem wies er auf die Kosten für den ÖPNV hin. Zurzeit zahle die Gemeinde dafür über 700.000 Euro. „Es ist eine Gradwanderung zwischen dem, was wir wollen, und dem, was wir uns leisten können“, sagte Hermanns und rief die SPD auf, dem Ganzen ein Jahr lang eine Chance zu geben.

Nach einer Unterbrechung der Sitzung erklärte sich die SPD bereit, das Vorgeschlagene „als Einstieg in eine Verbesserung mitzutragen“. Im Gegenzug erwarte sie aber, dass nach einem Jahr Bilanz gezogen wird, und dass auch die Betriebe angeschrieben werden, um nach ihren Erfahrungen zu fragen. Außerdem erwarte sie, dass die Einrichtung von zusätzlichen Haltebuchten an der B 266 erneut geprüft wird, sagte Harzheim.

Reinhold Köller erklärte, die Einrichtung der Haltebuchten dürfe an anderer Stelle im Ort nicht zu weiteren Wegen führen. „Es wäre schön, wenn die Betriebe im Gewerbegebiet nicht nur Briefe schreiben würden, sondern ihren Mitarbeitern Job-Tickets kaufen oder ihren Kunden vergünstigte Tickets für den ÖPNV zur Verfügung stellen würden. Das würde die Ernsthaftigkeit der Forderungen unterstreichen“, sagte Köller. Ralph Löhr (CDU) fehlte jegliches Verständnis für die Forderung nach einer Prüfung der Einrichtung von weiteren Haltebuchten an der B 266, weil das den Weg zur Haltestelle lediglich um wenige Hundert Meter verkürzen würde.

Am Ende wurde aber dann doch ein einstimmiger Beschluss gefasst, in dem auch die Bedingungen der SPD berücksichtigt wurden.

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