Unterkunft Langschoß wird zum Langzeit-Streitthema

Antrag der SPD Simmerath zur Gründung eines Arbeitskreises für die Asylbewerber-Betreuung löst emotionale Debatte aus.

Simmerath. Die Flüchtlingsunterkunft Langschoß bleibt ein Langzeit-Streitthema. Die Einrichtung der Gemeinde Simmerath, abgeschieden im Lammersdorfer Wald gelegen, ist ein echter politischer Dauerbrenner, der immer wieder emotionale politische Debatten über alternative Unterbringungsmöglichkeiten auslöst.

 

Ein kommunalpolitischer Dauerbrenner in der Gemeinde Simmerath: Die Unterkunft Langschoß ist immer wieder Thema grundsätzlicher Auseinandersetzungen zur Flüchtlingsunterbringung. Foto: Archiv/H. Schepp

Erneut emotional geprägt war das Diskussionsklima jetzt auch in der Sitzung des Simmerather Sozialausschusses. Auslösendes Moment war ein Antrag der SPD-Fraktion „zur Einrichtung eines Arbeitskreises für die Entwicklung eines Konzeptes zur Betreuung und Unterbringung von Asylbewerbern in der Gemeinde Simmerath“. Ziel dieses Arbeitskreises sollte es sein, die Lebenssituation der Asylbewerber und deren Integration zu verbessern. Gemeindeverwaltung, Ratsparteien und der seit bereits zwei Jahren bestehende Arbeitskreis Langschoß sollten eingebunden werden, hieß es weiter im Antrag. Die Organisation des Arbeitskreises sollte durch die Gemeindeverwaltung Simmerath übernommen werden. „Das Wichtigste ist, dass Integration stattfindet“, erläuterte Franz-Josef Hammelstein in der Sitzung noch einmal den Antrag seiner Fraktion. Bisher reagiere man in Simmerath immer nur auf die Flüchtlingssituation, „aber ein Plan fehlt“.

Was als Initiative gut gemeint klang, stieß aber bei der Mehrheitsfraktion auf wenig Verständnis. „Es bringt uns nicht weiter, wenn eine Partei immer wieder die Situation in Langschoß negativ darstellt“, kritisierte Günter Scheidt (CDU) den Antrag. Die Arbeit des bereits existierenden Arbeitskreises und des Sozialamtes sehe er sehr wohl als planvoll. Er warne vor „gigantischen Kosten“ für eine neue Unterkunft, wobei man feststellen müsse, dass aktuell von den 120 in der Gemeinde Simmerath lebenden Asylbewerbern nur noch 30 in Langschoß und die anderen Personen in den Dörfern lebten. Wiederholt forderte Günter Scheidt die SPD-Fraktion auf, alternative Standorte für eine neue Flüchtlingsunterkunft konkret zu benennen.

Stimmen dafür und dagegen

Offen für die Gründung eines Arbeitskreises zeigte sich Gisela Kampshoff-Enderle (Grüne). „Das wäre einen Versuch wert“, meinte sie, und auch Helmut Keischgens (UWG) betrachtete den Antrag als „sinnvoll“. Ein Arbeitskreis könnte viele Fragen klären. Dieser Auffassung schloss sich auch Pastor Volker Böhm, beratendes Mitglied im Ausschuss, an. Ein Arbeitskreis habe die Chance, „ohne politische Spitzen alle Möglichkeiten durchzuspielen“.

Wie die Arbeit mit Flüchtlingen in der Praxis aussieht, machte Sozialamtsleiterin Monika Johnen deutlich. In der Regel erhalte die Verwaltung mit einer Woche Vorlaufzeit Kenntnis über die Zuweisung von Asylbewerbern. „Da müssen wir kurzfristig reagieren.“ Aus ihrer Sicht habe es „Hand und Fuß“, wie man mit der Situation umgehe. Langschoß sei als erste Anlaufstation eine gute Lösung.

Emotional und verärgert reagierte Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns auf den SPD-Antrag. Er wehre sich dagegen, dass die SPD immer wieder durch ihre Anträge suggeriere, „dass die Flüchtlinge in der Gemeinde Simmerath nicht gut betreut werden“. Die Unterkunft Langschoß sei unverzichtbar. Auch der Bürgermeister forderte die SPD zum wiederholten Male auf, alternative Standorte für eine zentrale Unterbringung zu benennen. Wenn beabsichtigt sei, die Verwaltung mit der Organisation des Arbeitskreises zu befassen, dann gehe dies zu Lasten anderer Aufgaben, machte Hermanns unmissverständlich klar.

Verwundert zeigte sich Renate Scheidt (CDU). Sie gehöre selbst dem Arbeitskreis Langschoß an. Durch den Antrag fühlten sich ehrenamtliche Helfer „vor den Kopf gestoßen“. Bernd Goffart (CDU) warf der SPD vor, dass der Antrag lediglich als „politisch-taktisches Manöver“ gedacht sei. Es bedürfe keines weiteren Arbeitskreises, denn er kenne keine Kommune in der Städteregion, in der so viele Flüchtlinge dezentral wie in Simmerath untergebracht seien. Aus seiner beruflichen Erfahrung wisse er zudem, dass dezentrale Unterbringung nicht automatisch die bessere Lösung sei.

Franz-Josef Hammelstein machte noch einmal deutlich, dass man Langschoß weder abschaffen noch schlecht reden wolle, aber langfristig seien neue Konzepte erforderlich. Allein darum solle es im Arbeitskreis gehen.
Dennoch wurde am Ende der langen Debatte der SPD-Antrag mit 8:7-Stimmen abgelehnt.

Auf Anfrage der Lokalredaktion sagte Heinrich Lepers aus Rott vom Arbeitskreis Langschoß, dass man über den SPD-Antrag informiert gewesen sei, und die im Antrag geforderte Einrichtung eines Arbeitskreises grundsätzlich begrüßt hätte.(P. St.)

Quelle: Eifeler Nachrichten, Peter Stollenwerk

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