Vom Buhlert ins heimische Wohnzimmer

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Simmerath. Mancher bevorzugt eine Nordmanntanne, andere eine Fichte. Einige schmücken ihn mit reichlich Lametta, wieder andere setzen ihn mit echten Wachskerzen in Brand – den Weihnachtsbaum. Im Simmerather Gemeindewald wachsen Tausende Bäume, die darauf warten, in der Vorweihnachtszeit geschlagen zu werden, damit sie in die Wohnzimmer einziehen können, um dort an den Festtagen für die passende Stimmung zu sorgen. Insgesamt sind es circa 12 000 Exemplare, 3000 bis 4000 davon haben mit Maßen von 1,60 bis vier Meter die richtige Weihnachtsbaumgröße. „Aus den Großen lassen sich auch Kleine machen“, sagt Gemeindeförster Dietmar Wunderlich.

Für die Weihnachtsbäume müssen keine Waldflächen geopfert werden: Im Buhlert wachsen sie im Bereich der entlang der Straße verlaufenden Stromleitungen. „An diesen Stellen dürfen die Bäume ohnehin nur eine gewisse Größe erreichen. So lassen sich diese Flächen auch sinnvoll nutzen“, erläutert Gemeindeförster Dietmar Wunderlich. Foto: A. Gabbert
Für die Weihnachtsbäume müssen keine Waldflächen geopfert werden: Im Buhlert wachsen sie im Bereich der entlang der Straße verlaufenden Stromleitungen. „An diesen Stellen dürfen die Bäume ohnehin nur eine gewisse Größe erreichen. So lassen sich diese Flächen auch sinnvoll nutzen“, erläutert Gemeindeförster Dietmar Wunderlich.

Viele der künftigen Weihnachtsbäume wachsen im Buhlert zwischen Strauch und Schmidt wenige Meter von der Straße entfernt von einem Gatter eingezäunt. „Die Gatter gibt es überall da, wo Nordmann- und Edeltannen gepflanzt werden“, erklärt Wunderlich. Der Grund sei, dass sie wegen ihrer weichen Nadeln und dem Duft ihrer ätherischen Öle eine besondere Anziehungskraft auf Rehe und Hirsche ausüben. Das führt dazu, dass die Nordmanntannen gerne von den Wildtieren angeknabbert werden, der Fachmann spricht dann von Verbiss. Die Edel- oder Nobilistannen würden hingegen eher verfegt. „Das heißt, dass das Wild an den Bäumen den Bast von den Geweihen abreibt“, sagt Wunderlich. Bei der Einzäunung stehe also weniger der Schutz vor Weihnachtsbaumdieben im Vordergrund als der Schutz vor den Wildtieren. „Der Diebstahlschutz ist nicht der Grund, sondern ein Nebeneffekt“, sagt Wunderlich. Fichten werden aufgrund ihrer härteren Nadeln von dem Wild eher in Ruhe gelassen. Eine Einzäunung ist deshalb nicht so wichtig.

Für die Weihnachtsbäume müssen keine Waldflächen geopfert werden. Im Buhlert wachsen sie im Bereich der entlang der Straße verlaufenden Stromleitungen. „An diesen Stellen dürfen die Bäume ohnehin nur eine gewisse Größe erreichen. So lassen sich diese Flächen auch sinnvoll nutzen“, erläutert der Förster. Wichtig ist ihm auch, dass die Bäume ohne den Einsatz jeglicher chemischer Spritzmittel im Gemeindewald heranwachsen. „Es erfolgt lediglich eine mechanische Bearbeitung durch Freischneiden“, sagt Wunderlich.

Rund 1500 Setzlinge werden jedes Jahr im Simmerather Gemeindewald gepflanzt. Fünf bis sieben Jahre dauert es, bis eine Fichte die Weihnachtsbaumgröße erreicht hat. Bei den Tannen sind es etwa zehn Jahre. Doch nicht jeder Baum schafft es so groß zu werden, dass er als Weihnachtsbaum taugt. „Der Verlust von der Pflanzung bis zur Ernte liegt bei rund 60 Prozent“, sagt Wunderlich. Er hat die Hoffnung, dass diese Quote durch die in den Jahren 2015 und 2016 erfolgten Einzäunungen auf 30 Prozent gesenkt werden kann.

Die Sache mit den Weihnachtsbäumen ist kostendeckend. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Dietmar Wunderlich
Gemeindeförster

500 bis 600 der Bäume aus dem Buhlert landen jedes Jahr als Weihnachtsbaum in den Wohnzimmern, denn die Gemeinde bietet den Bürgern an einem Tag in der Vorweihnachtszeit die Gelegenheit, einen der Bäume selbst zu schlagen (siehe Box). „Inzwischen kommen sogar schon Leute aus Köln und Gladbach, um hier ihren Baum zu schlagen“, sagt Wunderlich.
Bis zu 1500 Leute kommen an diesem Tag in den Buhlert, darunter viele Familien aber auch Firmen. Denn am Lagerfeuer bei Glühwein, Stockbrot, Kinderpunsch und Kaffee wird das Weihnachtsbaumschlagen zum Event. Diese Aktion versteht der Förster als Dienst am Bürger, der die Gemeindekasse aber nicht belastet. „Die Sache mit den Weihnachtsbäumen ist kostendeckend. Nicht mehr, aber auch nicht weniger“, sagt Wunderlich.

In den vergangenen Jahren holte er sich oft eine Tanne als Weihnachtsbaum ins Haus. „Vielleicht wird es dieses Jahr mal wieder eine Fichte. Als ich Kind war, hatten wir die oft zu Hause“, sagt Wunderlich.

Tipps von Förster Dietmar Wunderlich

Weihnachtsbäume im Gemeindewald schlagen

Der Weihnachtsbaum sollte wegen des Temperaturunterschieds nicht direkt von draußen nach drinnen gebracht werden. Es empfiehlt sich den Baum in der Garage oder einem ähnlichen Ort zwischenzulagern.

Der Baum sollte nicht der direkten Sonne oder Wind ausgesetzt werden. Deshalb sollte er auch nicht auf dem Autodach ohne Abdeckung transportiert werden.

Vor dem Aufstellen sollte am Stamm eine kleine Scheibe abgeschnitten werden, damit er besser Wasser aufnehmen kann.
Daher sollte er auch in einem mit Wasser gefüllten Christbaumständer aufgestellt werden, nach Möglichkeit nicht direkt an der Heizung.

Außerdem empfiehlt der Förster, beim Händler nachzufragen, wo und wann der Baum gefällt wurde. Es könne in Einzelfällen aber auch vorkommen, dass frisch geschlagene Bäume nadeln. Das habe dann genetische Ursachen.

Die Gemeinde Simmerath bietet auch in diesem Jahr den Bürgern und auswärtigen Interessenten wieder die Möglichkeit, im Gemeindewald einen Weihnachtsbaum selbst zu schlagen. Diese Aktion findet am Samstag, 17. Dezember, in der Zeit von 9 bis 14 Uhr statt.

Angeboten werden Fichten zum Preis von 10 Euro/Stück incl. Netz, Blaufichten zum Preis von 15 Euro/Stück incl. Netz und Edeltannen zum Preis von 20 Euro/Stück incl. Netz. Die zum Verkauf stehenden Bäume sind ohne den Einsatz chemischer Spritzmittel herangewachsen.

Der Einschlagbereich befindet sich im Buhlert an der L 246 zwischen Strauch und Gerstenhof/Schmidt, gegenüber dem Parkplatz „Im Buhlert”. Verkaufsstellen und Parkmöglichkeiten sind durch Hinweisschilder gekennzeichnet. Die Käufer können im zugewiesenen Waldbereich ihren Weihnachtsbaum aussuchen, einschlagen und abtransportieren. Der Einschlag geschieht auf eigene Gefahr. Die Gemeinde Simmerath übernimmt keine Haftung für Schäden.

Nähere Auskünfte werden im Rathaus Simmerath, Zimmer 204, ☏ 02473/607155 oder Zimmer U8, ☏ 02473/607166 erteilt. Weitere Informationen zur Weihnachtsbaum-Aktion sind auf der Internetseite der Gemeinde Simmerath unter www.simmerath.de zu finden.
Zudem werden an der Verkaufsstelle wiederum durch den Förderverein der Gemeindebücherei Simmerath warme Getränke und Gebäck angeboten. Für die Kinder besteht die Möglichkeit, Stockbrot zu backen. Der Erlös kommt dem Förderverein zugute.

Quelle: Eifeler Nachrichten
Foto und Text: Andreas Gabbert

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