Eifeler Zeitung

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“

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Niklas Offermann schreibt für die Jusos Nordeifel zur öffentlichen Ratssitzung zur Schließung der Geburtshilfe:

Man war sich sowohl in den Ratsreihen als auch in den Zuschauerrängen einig – die Geburtshilfe in der Eifelklinik muss erhalten bleiben. Dies wurde auch am Ende der Ratssitzung mit einer von der CDU-Fraktion vorgefertigten Resolution, die man im Vorhinein nicht mit der SPD-Fraktion abgesprochen hatte, so beschlossen. Der letzte Satz dieser Resolution sagt, dass man der Krankenhausleitung nahelegt, alles Erdenkliche zu unternehmen, damit es nicht zu der Schließung kommt.

Mal abgesehen davon, dass die Krankenhausleitung genau dies in den letzten Tagen aus allen Richtungen zu hören bekam, wäre es hilfreich und ein besseres Signal der örtlichen Politik gewesen, wenn man etwas konkreter geworden wäre. Krankenhausleitung und Bürgermeister wiederholten, alles zu tun und mit jeder Hebamme, die es im Umkreis gibt, Gespräche über jede Art von Anstellung führen zu wollen, weil es eben nicht an den finanziellen Mitteln seitens des Krankenhauses für die Hebammen fehle, die sich durch übertariflich geordnete Gehälter und durch Hilfestellung bei der Haftpflichtversicherung für freiberufliche Hebammen äußert – im Einzelfall noch mehr.

Die mit Rederecht ausgestattete Hebamme sagte, dass die finanziellen Möglichkeiten, die Dr. Behar vorstellte, ihr neu seien, zudem spreche sie heute das erste Mal mit dem Geschäftsführer persönlich, da ihr sonst nur andere Personen zur Verfügung gestellt wurden. Ihr Lösungsansatz war, nicht zu warten, bis eine Hebamme anklopft und dann zu verhandeln, sondern mit den 13 potenziellen Kräften, die schon vorstellig geworden sind, jedoch nicht zusagten, das Gespräch erneut zu suchen und ihnen diese finanziellen Mittel vorzustellen – denn die Zeit rennt. Sie sei sich sicher, dass eventuell dann die ein oder andere nach Simmerath kommen würde.

Wir Jusos teilen diese Auffassung und hätten erwartet, dass statt der schwammigen Aussage, die die Krankenhausführung zur Genüge kennt, nun diese konkrete Aussage mit in die Resolution des Rates genommen worden wäre. Ebenfalls waren sich alle einig, dass vier Hebammen in Simmerath zu wenig seien. Es sind so wenig, dass wenn nur eine krank, schwanger oder aus sonstigen Gründen ausfallen würde, der Betrieb aus den Fugen geraten könnte. Das nimmt die Krankenhausleitung anscheinend seit 2016 so hin, denn da haben die Hebammen das erste Mal den Antrag auf Aufstockung des Personals gestellt, doch dies wurde anscheinend ignoriert. Dass sich die Hebammen dann noch entschuldigen müssen, nicht am Ball geblieben zu sein, ist eine Frechheit, denn es sollte nach dem ersten Hilferuf nicht mehr Sache der Hebammen sein, neues Personal zu finden, sondern der Krankenhausführung.

Doch möchte vielleicht gar keine Hebamme im komplexen Krankenhaussystem von Simmerath anfangen zu arbeiten, da man branchenintern weiß, dass die Hebammen dort auf dem Zahnfleisch gehen, man quasi so ausgelaugt ist, dass man am Ende einer Schicht nicht mehr das maximale Wohl einer werdenden Mutter garantieren kann, und seine eigene Gesundheit riskiert? Menschwürdige und „überlebbare“ Arbeitskonditionen sind das absolute und unstrittige Minimum, um für sich als Krankenhaus zu werben, mal abgesehen davon, dass es hier um Hebammen geht, die keine geringere Aufgabe haben, als Mütter und Kinder gesund durch den Entbindungsprozess zu begleiten. Wenn Hebammen, die in der Gemeinde wohnen, lieber nach Köln zum Arbeiten fahren, müsste das zu denken geben. So bleibt dieses Thema an der Bevölkerung hängen, die dem Aufruf des Bürgermeisters und der Klinikleitung folgen soll, jede Hebamme anzusprechen und an die Eifelklinik St. Brigida zu verweisen.

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