Jugendbeirat als „eine bunte Mischung“

Hat vor zwei Jahren den Einstieg in die Roetgener Kommunalpolitik gewagt: der Roetgener Jugendbeirat. Ein wichtiges Zukunftsprojekt des Beirats soll die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs sein. Foto: Katharina Isabel Franke

Eifeler Nachrichten – Seit zwei Jahren arbeitet das Gremium aktiv in der Roetgener Kommunalpolitik mit. Viele Erfahrungen gemacht.

Roetgen. „Zwei Jahre später sind wir noch immer da. Damit habe ich gar nicht gerechnet“, drückt Florian Rohn vom Jugendbeirat Roetgen leichte Verwunderung darüber aus, dass das Jugendgremium weit über eine Anfangs-Euphorie hinausgekommen ist. Angefangen hatte damals alles mit einem Gespräch am Jahresende 2015 zwischen Bürgermeister Jorma Klauss, den drei Urmitgliedern des Jugendbeirates Sina Jansen, Hannes Benner und Laurin Melms und der Jugendpartizipationsstelle der Städteregion Aachen: „Ich war gerade im Amt und da musste mein Wort aus dem Wahlkampf gelten, dass ich mir Jugendpartizipation wünsche. Die haben mir dann Druck gemacht, aber das war gut“, berichtet Bürgermeister Jorma Klauss.

An der Arbeit gewachsen

Sina Jansen, die mittlerweile in Mainz studiert und daher ihre Tätigkeit beim Jugendbeirat niederlegen musste, bezeichnet ihr frühes Engagement als „Selbstverständlichkeit“: „Ich bin unglaublich daran gewachsen. Ich habe eine andere Weltsicht bekommen, und mein Selbstbewusstsein für Dinge, die man bewegen kann, ist immens gestiegen. In meinen Augen kann jeder mit genug Überzeugung seine Ziele erreichen.“

Seit dem Start ist viel passiert. Eine Satzung wurde beschlossen, Ziele gesteckt und das Motto „Roetgens Jugend hat eine Stimme“ wird seitdem regelmäßig in die Tat umgesetzt. So halfen die insgesamt 15 Jugendlichen, die zwischen 14 und 21 Jahren alt sind, beim Flüchtlingsfest 2016, organisierten die Selfieaktion „Stoppt Tihange!“, backten Stockbrot beim Maifest und veranstaltete die U-18-Wahl im September 2017, halfen beim Geburtstag der Kunst im Januar 2018, und im März gelang es dem Jugendbeirat sieben Gemeindepolitiker, darunter auch Bürgermeister Klauss, im Gasthaus Marienbildchen zu einem „Food&Talk“ mit 25 Jugendlichen zusammenzubringen und über die Themen Ortsentwicklung, Soziales, Mobilität, Jugendbeteiligung, Persönliches und Europa zu diskutieren.

„Ich habe gelernt, dass Politik Geduld und Sitzfleisch bedeutet.“
Florian Rohn,
Jugendbeirat Roetgen

Der Antrag auf WLAN an den Bushaltestellen „Wanderstation“ und „Roetgen-Post“ geht ebenfalls auf den Jugendbeirat zurück: „Das ist eine richtig gute Sache und daher auch in Arbeit“, lobt Bürgermeister Klauss die Arbeit des Gremiums. Neben diesen Veranstaltungen, die die Jugendlichen neben Schule und Universitätsbesuch organisieren, nehmen sie an allen öffentlichen Ausschüssen und Gemeinderatssitzungen teil und nutzen ihr Rederecht: „Wenn der öffentliche Teil vorbei ist, werden wir rausgeschmissen. Aber es ist toll, dass wir überhaupt ein Rederecht haben“, so Jens Rijsdijk vom Jugendbeirat. Durch den Blick hinter die Kulissen im Roetgener Rathaus ist den Jugendlichen aufgefallen, wie schwierig die Diskussionskultur im Rat ist: „Es ist langatmig, jeder will seine Meinung kundtun und manche haben auch persönliche Differenzen. Ich habe gelernt, dass Politik Geduld und Sitzfleisch bedeutet“, so Florian Rohn. Dass manche Politiker den Jugendbeirat der CDU zuordnen würden – einige Mitglieder der Jungen Union sind auch im Jugendbeirat aktiv – kann Junge Union-Mitglied Rohn nicht verstehen: „Wir sind überparteilich, das steht auch in unserer Satzung. Wir sind eine bunte Mischung.“ Die „bunte Mischung“ musste neben den Erfolgen der letzten Monate auch Enttäuschungen wegstecken. So scheitere der Jugendbeirat mit seinem Antrag bezüglich der Sportpauschale und auch der Wunsch, dass das ASA-Taxi – das Nachttaxi der ASEAG – Roetgen noch zur späten Stunden anfährt, führte noch nicht zum gewünschten Ergebnis: „Das ist schwierig, aber dennoch in Arbeit“, so der Bürgermeister.

Für die Zukunft hat sich der Jugendbeirat die Verbesserung des ÖPNV auf die Fahne geschrieben. Eigens dafür entwickelten die Jugendlichen eine Umfrage, an der 50 Menschen zwischen 9 und 59 Jahren teilnahmen. Die Auswertungen ergab, was der Beirat befürchtet hatte: Die Taktung passt nicht zu den Schulzeiten, der Wegfall der Linie 68 macht sich bereits jetzt bemerkbar und: „Man ist zu Fuß schneller als mit dem neuen Ortsbus.“ Desweiteren plant der Jugendbeirat einen Jugendtreffpunkt, eine Bildungsfahrt nach Berlin, einen Umwelttag, und er wünscht sich die Etablierung eines Ehrenamtspreises für Jugendliche: „Die Jugend kann man auch mal loben“, so Florian Rohn.

Die „hohe Motivation“, die die Jugendlichen des Beirates laut Bürgermeister Klauss auszeichnet, wurde allerdings im letzten Monat getrübt. Enttäuscht sind Jens Rijsdijk, Florian Rohn und Anne Schmitz über die Entscheidung des Simmerather Gemeinderates, keinen Jugendbeirat gründen zu wollen. Besonders die Äußerung von Nicolas Lunz, Vorsitzender der Jungen Union Monschau, der einen Jugendbeirat Anfang des Monates als „Instrument der Sozialdemokraten“ bezeichnete, traf die engagierten Roetgener Jugendlichen: „Jugendpartizipation ist immer wichtig und wir sind überparteilich. Es ist unglaubwürdig, eine Junge Union zu leiten und ein anderes Jugendpartizipationselement abzulehnen“, so die Mitglieder des Jugendbeirates Roetgen. Auch Bürgermeister Klauss äußerte sich zum abgelehnten Beirat: „Ich kann Simmerath nur sagen, dass es hier sehr gut läuft.“

Der Jugendbeirat Roetgen schaut dennoch gestärkt in die Zukunft: „Wir haben bereits viel geschafft. Wir können stolz auf uns sein.“, so Florian Rohn. Jens Rijsdijk wünscht sich „eine lange Zukunft, viel Beteiligung und viel Nachwuchs.“ Auch Gründungsmitglied Sina Jansen behält den Jugendbeirat im Blick. Sie wünscht sich „Aufmerksamkeit“ für die „beeindruckende Arbeit“ der letzten Monate und hofft ebenfalls auf viele weitere Jugendliche, die Interesse an politischem Geschehen haben. Bürgermeister Jorma Klauss denkt derweil schon voraus: „Von mir aus kann der Gemeinderat 2030 aus ganz vielen ehemaligen Mitgliedern des Jugendbeirates bestehen.“

Quelle: Eifeler Nachrichten, : Katharina Isabel Franke 

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