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Monschauer Wochenspiegel, Thomas Förster

Ein Stück Schifffahrt-Geschichte ist vorbei

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Spektakuläre Bergung über mehrere Stunden bei Eiseskälte am Obersee: Die »Eifel« verlässt die Rurtalsperre und wird künftig als Gastronomieschiff über den Neckar schippern.

»Da geht unser Schiff«. Wehmütig blickt Martin Lutterbach aus Rurberg dem alten Fahrgastschiff hinterher, das sein ganzes Leben lang einfach zum Rursee dazu gehörte. Schließlich ist die »Eifel« das älteste Schiff der Rursee-Schifffahrt. Bereits 1954 in Dienst gestellt, ergänzte sie bis zuletzt die Obersee-Flotte. »Als die Seensucht Probleme mit der Batterie hatte oder die Nikolaus im Eis fest steckte, haben wir unsere gute alte Dame immer wieder eingesetzt«, erinnert sich Waltraud Heuken, die gemeinsam mit ihrem Mann Franz-Josef Heuken seit 1999 die Rursee-Schifffahrt leitet. Doch das Schiff, das bis zu 250 Personen über das Eifelmeer schippern konnte, war einfach nicht mehr zeitgemäß. »Es gab ja nicht einmal eine Toilette an Bord«, so Heuken. Mit der »Seensucht« (seit 2014) und der neuen »St. Nikolaus« (seit 2018) setzt die Betreiber-Familie auf moderne Elektro-Schiffe, die beispielsweise Barrierefreiheit besitzen.

66 Jahre lang hat die »Eifel« auf der Rurtalsperre ihren Dienst getan, 1970 wurde der Dieselmotor demontiert, das 23 Meter lange und 4,50 Meter breite Schiff mit einem Elektromotor ausgestattet und auf den Obersee übergesetzt. Da dieser dem Trinkwasserschutz dient sind auf dem Gewässer zwischen Einruhr, Rurberg und der Urftstaumauer nur umweltfreundliche Elektromotoren zulässig.

Drei Jahre hat es gedauert, um einen Käufer für die »Eifel« zu finden. »Es waren viele Kaufinteressierte hier, aber das große Problem ist der Abtransport«, weiß Waltraud Heuken. Liegt ein Fahrgastschiff etwa am Rhein, kann es problemlos durch die Wasserstraße an den neuen Standort gebracht werden. Den Weg nach Stuttgart, wo die »Eifel« künftig in den Dienst des Schifffahrtsunternehmens »Neckar Käpt´n« übergeht, legte das historische Schiff nun per Schwertransporter zurück. Im Vorfeld wurden Schiffsführerhaus, Reling und Sitzbänke abgebaut, um die zulässige Höhe von vier Metern nicht zu überschreiten. Zwei Schwerlastkräne hievten den Kahn schließlich aus dem Wasser auf den Paulushofdamm. »Das Prozedere hier kostet so viel wie die Hälfte des Schiffes«, wissen die Heukens. Wieviel das genau ist, darüber wurde Stillschweigen vereinbart.

Am Neckar wird das historische Schiff, das noch bis 2025 eine technische Zulassung besitzt, als »Electra« über das Wasser fahren. Eine aufwendige Sanierung und etwa der Einbau von Toiletten will der neue Besitzer vornehmen, damit das kleine Schiff, das künftig bis zu 80 Personen Platz bieten wird, modernen Standards entspricht.

Nach diesem spektakulären Tag, an dem nahezu die ganze Crew mitgewirkt hat, geht die Winterpause der Rursee-Schifffahrt nach außen hin weiter. Intern wird – sobald es das Wetter zulässt – eifrig gewerkelt, damit die Flotte, die aus der »Seensucht« und »St. Nikolaus« auf dem Obersee sowie der »Aachen« und »Stella Maris« auf dem Rursee besteht, startklar für die neue Saison ist. Diese soll am 27. März starten, wenn es denn die Corona-Pandemie zulässt.

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