Eifeler Zeitung, Heiner Schepp

„Mit Abstand die besten Schüler“

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Aktionen an der Sekundarschule Nordeifel zum Wiederbeginn des Unterrichts für die Abschlussklassen

SIMMERATH Seit dem vergangenen Donnerstag ist auch an den beiden Standorten der Sekundarschule Nordeifel in Simmerath und Kleinhau der Unterricht für die 10er Abschlussklassen wieder angelaufen. Im Vorfeld galt es, viele Sorgen und Ängste der Schüler, Eltern und Lehrer wahr- und ernst zu nehmen und den Vorgaben des Ministeriums gerecht zu werden.

Von höchster Stelle erhielten alle Schulen meist nur sehr zögerlich und tröpfchenweise Informationen und Perspektiven, wie es weitergeht. Erst vorletztes Wochenende brach dann plötzlich Aktionismus im Düsseldorfer Schulministerium aus: NRW hält sich nicht an den in der Länderkonferenz abgesprochenen Termin für die Wiederaufnahme des Unterrichts und bietet Schülerinnen und Schülern der Abschlussklassen an weiterführenden Schulen schon in der Woche nach den regulären Osterferien wieder Unterricht an – oder schreibt ihn sogar vor. Um 18.30 Uhr am Samstagabend (18. April) ging die Mail aus Düsseldorf in den Schulen ein und bescherte den Schulleitungsteams und Kollegien einen eigentlich nicht zu stemmenden Kraftakt. Diese aber gingen auch in der Eifel die Mammutaufgabe mit Fleiß, Ideenreichtum und Organisationstalent in einer für alle komplett neuen Situation an und meisterten den Wiederbeginn besser als man bei dieser Vorgeschichte hätte erwarten dürfen.

Distanzhalten fällt schwer

„Die Schulleitung unter der Führung von Frau Müller hat mit den Lehrerinnen und Lehrern in kürzester Zeit einen enormen Kraftakt unternommen, um alles gemäß den Vorgaben herzurichten. Davon konnten sich Margareta Ritter als Vorsitzende des Schulverbandes Nordeifel, die Vertreter der Kommunen und die Schulpflegschaft kurz vor der Wiedereröffnung bei einem Rundgang an beiden Standorten überzeugen“, berichtete Carsten Tschöp, Schulpflegschaftsvorsitzender der Sekundarschule Nordeifel, vergangene Woche. Trotz sehr dünner Personaldecke sei der Unterricht in den drei Fächern Mathematik, Englisch und Deutsch fast durchgehend mit Fachlehrern besetzt gewesen und wiederaufgenommen worden. „Und am Nachmittag gab es dann zu Hause positives Feedback von den Schülern“, meinte Tschöp.

Insgesamt haben unsere Schülerinnen und Schüler die außergewöhnliche Situation wirklich gemeistert.

Melanie Müller
kommissarische Schulleiterin der Sekundarschule

Die Wiederaufnahme habe aber auch noch einmal deutlich gezeigt, „wie schwer für uns alle die neue Situation ist. ‚Abstand halten‘ ist uns noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen, und da ist es nicht verwunderlich, dass es auch den Jugendlichen in den Pausen und nach dem Unterricht außerhalb der Schule an der ein oder anderen Stelle schwer fällt, auf Distanz zu gehen“, zeigte der Schulpflegschaftsvorsitzende Verständnis für die Heranwachsenden. Natürlich habe man in den Pausen noch das ein oder andere Mal die Mädchen und Jungen auf mehr Abstand hinweisen müssen, „aber insgesamt haben unsere Schülerinnen und Schüler die außergewöhnliche Situation wirklich gemeistert“, lobte auch Melanie Müller. Die kommissarische Schulleiterin hatte gemeinsam mit dem Hausmeister und vielen Kolleginnen und Kollegen in kürzester Zeit das Gebäude an der Walter-Bachmann-Straße in drei Zonen aufgeteilt, die Schüler und Lehrer auf vorgegebenen Wegen begehen. In den Klassenräumen wurden maximal neun personalisierte Schülerplätze so eingerichtet, dass die Jugendlichen genügend Abstand haben und im Unterricht keinen Mund-Nase-Schutz tragen müssen. Dieser ist ab Montag nur im Schulbus vorgeschrieben; auf freiwilliger Basis trugen viele Schülerinnen und Schüler die Maske auch auf dem Gang zur und aus der Schule sowie in den Pausen.

Prokurist und Marketingleiter Axel Wynands aus Schmidt übergab im Auftrag der Aachener Firma Köpp der Sekundarschule Nordeifel 1500 Einmal-Masken. Ab Montag gilt die Maskenpflicht im Bus und beim Einkaufen. Foto: Heiner Schepp

Obwohl sich praktisch alle Schüler und Lehrer in den vergangenen Corona-Wochen auf verschiedenen Wegen auch privat einen Mundschutz organisiert haben, erhielt die Sekundarschule vergangene Woche willkommene Unterstützung durch eine Spende. Die Aachener Firma Köpp, die eigentlich auf die Herstellung und Verarbeitung von Zellkautschuk, Polyethylenschaum und Moosgummi spezialisiert ist und unter anderem Fitnessmatten oder Dichtungen für die Automobilindustrie fertigt, übergab der Schule 1500 Einmal-Masken, die den Bestand der privaten Mund-Nase-Schutzmasken ergänzen werden. Die Aachener „FoMask“, wie der aus EVA-Schaumstoff hergestellte Schutz von den Entwicklern benannt wurde, hat in den letzten Wochen einen deutschlandweiten Siegeszug – auch in den Medien – zurückgelegt. „Wir können uns vor Anfragen derzeit kaum retten, sind aber auch in der Lage, 750.000 Stück am Tag herzustellen“, erzählt Prokurist und Marketingleiter Axel Wynands, der in Schmidt wohnt. Die Einmal-Maske, mit der große Unternehmen, Apotheken und andere Wiederverkäufer im Einzelhandel ausgestattet werden, sei auch deshalb ein Verkaufsschlager, weil die Herstellungskosten mit 25 Cent unschlagbar niedrig seien. Umso erstaunter sei er gewesen, als er vergangene Woche den Mund-Nase-Schutz aus seinem Haus in einer Aachener Apotheke für 4,90 Euro im Angebot gesehen habe. „Da wird kräftig Profit mit der Krise gemacht“, kritisiert Wynands.

Seine Firma Köpp aber wird ihre Idee weiterverfolgen, den ab Montag explodierenden Markt mit einer einfachen und niedrigpreisigen Maske zu versorgen, deren Material auch eine Lebensmittelzulassung trägt, verspricht Axel Wynands, der zugibt: „Unsere Maske ist in Optik und Handhabung etwas anders als andere Masken, aber sie hat den Riesenvorteil, dass sie sofort und in Riesenmengen verfügbar ist.“ „Wir haben uns jedenfalls sehr über diese Spende gefreut“, meinte Melanie Müller bei der Übergabe auf dem Schulhof.

Dort hatten die Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule am Morgen des „Tags zwei nach den Coronaferien“ schon eine andere Überraschung vorgefunden: Die Schulpflegschaft wies an beiden Standorten in Simmerath und Kleinhau mit einer kleinen Aktion und positiver Motivation die Schülerinnen und Schüler auf die Wichtigkeit der 1,50 Meter hin: Es gab für Schüler und Lehrkörper ein kleines Tütchen Gummibärchen mit einem doppelsinnigen Hinweis, der auch auf Plakaten überall auf dem Schulgelände zu lesen war: „Ihr seid mit Abstand die besten Schüler!“

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