Eifeler Zeitung

Sechsstellige Investition in Baracke?

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Luise Kube aus Aachen schreibt zum Artikel „Unterkunft Langschoß ist der dickste Brocken“:

Als Flüchtlingshelferin in Monschau kenne ich auch die Flüchtlingsunterkunft Langschoß seit vielen Jahren. In der Tat, das Problem ist in den entsprechenden Gremien hinreichend bekannt, und immer wieder wurde deren Schließung und die Umsiedlung in ein anderes zentraleres Objekt gefordert. Die Argumentation der Gemeinde war immer: Diese Unterkunft ist notwendig und für die Gemeinde am günstigsten, weil wir nichts anderes haben.

Nun muss man lesen, dass die Gemeinde offenbar willens ist, Investitionskosten in sechsstelliger Höhe in diese marode Barackensiedlung zu stecken, wo jeder Privatinvestor keinen Cent mehr investieren würde. Wäre es nicht sinnvoller, endlich Nägel mit Köpfen zu machen und das Geld in eine andere, geeignete Immobilie zu stecken?

Das jahrelange Argument, dass die Gemeinde genau so eine Immobilie nicht habe, ist unglaubwürdig. Es bleibt die Vermutung, dass man gar nicht erst danach gesucht hat, weil man diese Klientel nicht im Ort haben wollte. Es ist eben praktischer, solche Menschen – von denen vielleicht manche gewöhnungsbedürftig, unangepasst oder sogar kriminell, andere aber auch sehr liebenswert sind – im Wald – wie böse Zungen sagen – zu „entsorgen“, damit man sie nicht sieht und nichts mit ihnen zu tun hat. Dadurch hat aber die Bevölkerung auch keine Chance, diese Menschen näher kennenzulernen. Die Unterkunft Langschoß – fünf Kilometer von jeder Zivilisation entfernt – hat auf diese Weise im ganzen Kreis Aachen und darüber hinaus unter Eingeweihten als eine der schlimmsten und integrationsfeindlichsten dieser Art traurige Berühmtheit erlangt. Und das ist eigentlich der Gemeinde Simmerath, in der es viele sozial engagierte Menschen gibt, nicht würdig.

Leserin Luise Kube hält die Sanierung der abgelegenen Flüchtlingsunterkunft Langschoß für den falschen Weg bei der Unterbringung von geflüchteten Menschen. Foto: Heiner Schepp

Einige dieser Menschen betätigen sich ehrenamtlich in der Unterkunft Langschoß, um als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen, die Bewohner in Notfällen irgendwohin zu transportieren oder dafür zu sorgen, dass das Haus nicht noch mehr verkommt. Von der Gemeinde selbst fühlen sich die Bewohner aber total im Stich gelassen. Klar, dass jede Gelegenheit genutzt wird, um sich nicht dauernd an diesem unwirtlichen Ort aufhalten zu müssen, sondern zwischendurch bei Freunden oder Verwandten in größeren Städten unterzuschlüpfen. Andere, die solche Gelegenheiten nicht haben, sitzen manchmal jahrelang dort oben fest, ohne Beschäftigung, ohne Perspektive. Viele würden gerne einer Arbeit nachgehen (wenn es ihnen überhaupt erlaubt wird), was aber meist wegen der schlechten Busverbindung nicht möglich ist. Beschäftigungsmöglichkeiten auf gemeinnütziger Basis (1 Euro), wie in anderen Gemeinden, stellt Simmerath auch nicht zur Verfügung. Kein Wunder, dass Frustration und Agression bei manchen wachsen und sich entladen, andere in Depression und Lethargie versinken oder sich dem Alkohol hingeben. Diese Menschen sind dann schwer dazu anzuhalten, Eigenverantwortung im Haus zu übernehmen.

Diese Erscheinungen sind auch bei vielen anderen Gemeinschaftsunterkünften, die mir bekannt sind, durchaus üblich, wenn sich nicht jemand um die Leute kümmert und durch Regeln und infrastrukturelle Maßnahmen vorbeugt. Es gibt aber auch genügend Beispiele dafür, wo es gelungen ist, Flüchtlingen in Gemeinschaftsunterkünften ein gutes Zuhause zu ermöglichen und sie dazu anzuhalten, sich selbst mit einzubringen und in die Stadtteil- oder Dorfgesellschaft zu integrieren . Dies setzt allerdings auch voraus, dass sie von dieser Gesellschaft angenommen und unterstützt werden. Gemeinschaftsunterkünfte heißen in der Verwaltungssprache eigentlich „Übergangswohnheime“ – und solche sollten es auch bleiben. Niemand sollte dazu verurteilt sein, viele Jahre dort zuzubringen. Die bessere Alternative dazu wären Privatwohnungen, aber die sind nicht vorhanden, oder man will nicht an diese Klientel vermieten, schon gar nicht auf dem Lande. So kommt man in den Gemeinden nicht umhin, ein Übergangswohnheim vorzuhalten. Deshalb wird man kurzfristig gesehen, auch auf Langschoß etwas investieren müssen, um die Häuser (wenn man sie als solche überhaupt bezeichnen will) nicht dem totalen Verfall preiszugeben. Langfristig wird das aber eine Milchmädchenrechnung, die nicht endet, solange sich die Gemeinde nicht entschließen kann, die Menschen nicht nur weit weg irgendwie unterzubringen, sondern ihnen ein ordentliches Zuhause inmitten der Stadt- oder Dorfgesellschaft zu ermöglichen und sie auch zu betreuen. Von Ausnahmen abgesehen werden dann diese Menschen sicherlich auch bereit sein, durch ihr Engagement mitzuhelfen, dass eine menschenwürdige Unterkunft auch menschenwürdig bleibt.

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