Eifeler Zeitung, Andreas Gabbert

Eifeler Betriebe fürchten das Siegel nicht

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Kontrollergebnisse bei Lebensmittel verarbeitenden Betrieben sollen transparent gemacht werden. Das ist zunächst freiwillig.

Nordeifel. Die sogenannte Hygiene-Ampel kommt. So sollen die Ergebnisse von Sauberkeitskontrollen von Restaurants, Metzgereien und anderen Betrieben, die Lebensmittel verarbeiten, für die Kunden transparenter gemacht werden. Eine Art Siegel am Eingang soll im wahrsten Sinne anzeigen, ob der Hygienestandard des Betriebes im grünen Bereich liegt.

Erst einmal werde sich für die Lebensmittelbetriebe und die Verbraucher aber „nicht so viel ändern“, sagt Dr. Mathias Boese, der Leiter der Lebensmittelüberwachung bei der Städteregion Aachen, über das kürzlich vom NRW-Landtag beschlossene Gesetz. Zum einen ändere sich an der Art der Kontrollen nichts, außerdem werde die „Hygiene-Ampel“ zunächst über einen Zeitraum von drei Jahren auf freiwilliger Basis erprobt. Diese Eingewöhnungsphase diene dazu, Erfahrungen zu sammeln. Boese geht davon aus, dass viele Betriebe, die sich im grünen Bereich befinden, die „Hygiene-Ampel“ in Anspruch nehmen werden. „Und das sind sehr, sehr viele“, sagt er. Das könnten die Betriebe aber noch selbst entscheiden. Einfordern könne man die Kennzeichnung noch nicht. Wenn die „Hygiene-Ampel“ nicht ausgehängt werde, bedeute das aber nicht, dass etwas nicht in Ordnung wäre. „Wir sind gespannt, wie sich das entwickeln wird und wie die Verbraucher die Kennzeichnung nutzen werden“, sagt der Leiter der Lebensmittelüberwachung.

Nicht ganz eindeutig

Wir sind gespannt, wie sich das entwickeln wird.

Dr. Mathias Boese
Leiter Lebensmittelüberwachung der Städteregion Aachen

Man verspreche sich „eine ganze Menge“ davon, antwortet Boese auf die Frage, ob das Gesetz nachhaltig etwas bringe. Die Erfahrungen in Dänemark und Großbritannien, wo es bereits eine Kennzeichnungspflicht gibt, hätten gezeigt, dass es bei den Kontrollen der Betriebe weniger Beanstandungen gebe.

„Im Grunde ist nichts dagegen zu sagen“, findet Wolfgang Kaever, Ansprechpartner für den Bereich Gastronomie bei der Arbeitsgemeinschaft Monschauer Unternehmen (AMU). Weniger gut sei aber, „dass es sich um eine Momentaufnahme handelt und nicht unbedingt eine Aussage über die fortlaufende Qualität des Betriebes getroffen wird“. Über eine freiwillige Kennzeichnung der Betriebe in der Übergangszeit würde er gerne zuvor mit den Kollegen diskutieren. „Das müsste man schon einheitlich handhaben“, sagt Kaever.

„Ich würde freiwillig mitmachen. Wer das nicht macht, hat etwas zu verbergen. Wer vernünftig arbeitet, hat nichts zu befürchten“, sagt Lutz Schell, Ansprechpartner für den Bereich Hotellerie bei der AMU. Grundsätzlich fände er eine „Hygiene-Ampel“ gut, gerne würde er sich ein grünes Schild an die Tür hängen. Die Frage sei aber, ob der bürokratische Aufwand der Behörden bei der Einführung des Systems gerechtfertigt sei. Schließlich gebe es ja Richtlinien, die auch kontrolliert würden. „Ob man das nach außen transparent machen muss, halte ich für fraglich“, sagt Schell. Hinzu komme, dass bei den Kontrollen verschiedene Faktoren eine Rolle spielen würden. Es werde zum Beispiel nicht unterschieden, ob es Mängel in der Hygiene oder in der Dokumentation derselben gebe. Der Gast sehe nur, ob der Betrieb im grünen, gelben oder roten Bereich liege, aber nicht warum.

In der Nordeifel gebe es rund 700 Betriebe (in der gesamten Städteregion rund 6000), die von dem neuen Gesetz betroffen sind, erklärt Boese. Rund ein Drittel davon seien Gastronomiebetriebe, zu denen auch die Gemeinschaftsverpflegung an Schulen und Kindertagesstätten gehöre. Sie würden alle sechs bis 18 Monate kontrolliert, bei Beanstandungen auch öfter. Im vergangenen Jahr habe es rund 5000 Kontrollen innerhalb der gesamten Städteregion gegeben. Nur bei zwei Prozent der Kontrollen wäre man im roten Bereich gelandet. Bei den betroffenen Betrieben habe es sich meist um Restaurants und Imbissbetriebe gehandelt, „die bei Nachkontrollen aber oft schon wieder aus diesem Bereich heraus waren“, sagt Boese. „98 Prozent der Betriebe erfüllen die Hygieneanforderungen“, betont er.

Abgeordnete: einer dafür, einer dagegen

Der CDU-Landtagsabgeordnete für die Städteregion Aachen, Axel Wirtz, hat gegen die „Hygiene-Ampel“ gestimmt, weil selbst Fachleute sagen würden, dass es keine signifikanten Verbesserungen für die Verbraucher geben werde. „Die kleinen Betriebe in den Dörfern würden nur zusätzlich mit bürokratischem Aufwand belastet“, sagt Wirtz.

Der SPD-Landtagsabgeordnete für die Städteregion Aachen, Stefan Kämmerling, hat für die „Hygiene-Ampel“ gestimmt, da eine repräsentative Forsa-Umfrage aus Januar 2017 zu dem Ergebnis komme, dass sich 73 Prozent der Befragten die Veröffentlichung der Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen wünschen. Auch die Verbraucherzentrale NRW unterstütze das. „An den Kontrollen und Standards an sich ändert sich im Gegensatz zur Dokumentation nicht viel. Ich sehe es positiv, Verbrauchern die Kontrollergebnisse nicht mehr vorzuenthalten“, sagt Kämmerling.

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