Eifeler Zeitung, Jutta Geese

Für 365 Euro ein Jahr Bus fahren

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SPD-Fraktion: Städteregion soll sich für Teilnahme am Modellprojekt des Bundes bewerben, für das es bereits viele Interessenten gibt. Ausschuss berät am kommenden Donnerstag.

STÄDTEREGION Bus und Bahn fahren für einen Euro am Tag, und das möglichst in der gesamten Region, von Heinsberg über Aachen bis Düren: Das sogenannte 365-Euro-Ticket würde dies möglich machen. Die Bundesregierung will die Resonanz auf ein solches Angebot im kommenden Jahr in zehn Kreisen, Städten oder Regionen testen. Die Städteregion Aachen soll sich um die Teilnahme als Modellregion bewerben, fordert die SPD-Fraktion im Städteregionstag. Da der Bund noch in diesem Jahr entscheiden wird, wer den Zuschlag erhält, ist Eile bei der Bewerbung geboten. Zumal es bundesweit schon etliche Interessensbekundungen gibt.

„Wir wären schlecht beraten, wenn wir diese Chance nicht nutzen würden“, meint der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Gerhard Neitzke. Erste Projekte dieser Art laufen unabhängig von der jetzt geplanten Förderung im Rahmen des sogenannten Klimapaketes des Bundes bereits, beispielsweise in Bonn. „Dort wird das 365-Euro-Ticket nicht so gut angenommen. Aber dort hat man auch den Fehler gemacht, das Projekt nur auf die Stadt Bonn zu beschränken und den umliegenden Kreis nicht einzubeziehen.“ Pendler erreiche man so nicht. Für die Städteregion sei es wichtig, angesichts der täglichen Staus im Berufsverkehr zumindest Stadt und früheres Kreisgebiet einzubinden. „Wir müssen versuchen, mehr Leute in Busse und Bahnen zu bringen.“ Dazu gehört ein kostengünstiges Angebot, ist SPD-Fraktionsvorsitzender Martin Peters überzeugt; „Das 365-Euro-Ticket wäre eine Attraktivitätssteigerung.“ Denn solange es billiger ist, mit dem Auto beispielsweise von Würselen zur Arbeit nach Aachen zu fahren, solange wird nichts passieren.

Weitere Maßnahmen nötig

Wir müssen versuchen, mehr Leute in Busse und Bahnen zu bringen.

Martin Peters
SPD-Fraktionsvorsitzender
im Städteregionstag

Allerdings weiß auch die SPD, dass über den Preis allein kaum wesentlich mehr Menschen für Busse und Bahnen begeistert werden können. Parallel dazu müssen weitere Maßnahmen in Angriff genommen werden, betont Peters. Dazu gehört laut Neitzke etwa, mehr Busse auf die Strecke zu bringen, die dann aber auch am Autostau vorbei auf separaten Busspuren fahren können. Mancherorts sei das problemlos umzusetzen, meint er und nennt als Beispiel die Strecke von der Krefelder Straße in Aachen nach Würselen. Eine der beiden Fahrspuren könne man zur Busspur umwidmen. „Wenn man mit dem Bus schneller ist als mit dem Auto, ist das ein Gewinn an Lebensqualität“, erklärt Neitzke.

Bus und Bahn fahren soll attraktiver werden: Deshalb soll sich die Städteregion nach dem Willen der SPD um Fördermittel des Bundes für das Modellprojekt 365-Euro-Ticket bewerben. Foto: Harald Krömer

Zum Nulltarif bekomme man deutliche Qualitätssteigerungen im öffentlichen Personennahverkehr jedoch nicht, mahnt der Verkehrsexperte. „Man muss so ehrlich sein und sagen, dass die Kommunen auch selbst Geld in die Hand nehmen müssen, um die Infrastruktur zu verbessern.“ Die SPD sei bereit, dafür in den Kommunen zu werben. Denn auch die deutlich erhöhten Fördermittel, die der Bund im Rahmen des Klimapaketes in den kommenden Jahren zur Verfügung stellen will, werden nicht reichen, glaubt er. Die Bewerbung um die Teilnahme am Modellprojekt 365-Euro-Ticket ist laut SPD nur ein erster Schritt – aber einer, der unbedingt getan werden müsse.

Kommende Woche Donnerstag ist der SPD-Antrag Thema im Städteregionsausschuss, am 12. Dezember im Städteregionstag. Martin Peters und Gerhard Neitzke hoffen auf Zustimmung der CDU-Grünen-Mehrheit. Allerdings hat die einen Zusatzantrag eingebracht, wonach die Verwaltung erst einmal die Voraussetzungen für ein 365-Euro-Ticket prüfen und Erkenntnisse aus anderen Kommunen und vom Aachener Verkehrsverbund einholen soll. Die Verwaltung könne auch ohne diesen Antrag Stellung nehmen zu dem SPD-Antrag, erklärt Peters. Der Antrag sei also überflüssig.

Man muss so ehrlich sein und sagen, dass die Kommunen auch selbst Geld in die Hand nehmen müssen, um die Infrastruktur zu verbessern.

Gerhard Neitzke
verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion

„CDU und Grüne nicht einig“

Die SPD argwöhnt, dass die CDU und Grüne das Thema blockieren wollen, weil sie sich politisch nicht einig sind. „Das liegt auch an den verschiedenen politischen Konstellationen in der Stadt Aachen und im Städteregionstag. In Aachen sind die Grünen in der Opposition und haben schon vor einem Jahr einen Antrag zum 365-Euro-Ticket gestellt, im Städteregionstag sind sie in der Kooperation mit der CDU.“ Bestenfalls wollten sich CDU und Grüne an den SPD-Antrag anhängen, damit es später heiße, es handle sich um einen CDU-, Grünen- und SPD-Antrag. Wichtig sei, dass die Bewerbung jetzt erfolge. „Sonst ist die Chance vertan.“

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