Eifeler Nachrichten, Heiner Schepp

Interessanter Einblick in die Waldarbeit

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Forstbetriebsleiter Dietmar Wunderlich führt den Simmerather Forstausschuss durch beispielhafte Bereiche des Gemeindewaldes. Ernte und Wegebau.

Simmerath. Der eigene Wald bereitet der Gemeinde Simmerath derzeit viel Freude. Die Bewirtschaftung wirft seit Jahren trotz Nachhaltigkeit satte Gewinne ab, und der Forst ist in einem guten, buchstäblich aufgeräumten Zustand, wie sich der Umwelt-, Forst- und Agrarausschuss des Rates nun wieder einmal persönlich überzeugen konnte.

Seilkran im Hang

Auf einer Waldfläche in Rurberg wurde dem Forstausschuss (unten)ein kombiniertes Arbeitsverfahren im Holzeinschlag mit Seilkranunterstützung (oben) gezeigt und erläutert.

Alljährlich findet in der Frühjahrssitzung des Gremiums eine Besichtigung im Gemeindewald unter Führung des Forstbetriebsleiters (FBL) Dietmar Wunderlich statt. In diesem Jahr besuchte man zuerst eine Waldfläche in Rurberg. Dort wurde ein kombiniertes Arbeitsverfahren im Holzeinschlag mit Seilkranunterstützung gezeigt und erläutert. Diese Holzeinschlagsmaßnahme, die unter erschwerten Bedingungen in einem Steilhang in Rurberg erfolgt, wird von den Forstwirten der Gemeinde Simmerath unter der praktischen Leitung von Forstwirtschaftsmeister Alexander Mießen durchgeführt und von einem hiesigen Unternehmer mit Seilkran unterstützt.

Den Ausschussmitgliedern wurden die verschiedenen Sicherheitsaspekte dargelegt und insbesondere die Helmfunkausstattung, die einen unmittelbaren Dialog mit dem Seilkranführer gewährleistet, vorgeführt. Das anfallende Holz muss zum Abtransport den Hang hinauf an die Straße gerückt werden. Dankenswerterweise stellen zwei private Grundstückseigentümer ihre Parzellen zur Verfügung, um die Seilkranarbeiten zu ermöglichen.

Im Schilsbachtal bei Woffelsbach wurde die Entwicklung des Bachtales durch Dietmar Wunderlich vorgestellt. In diesem Tal findet man naturnahe Erlen- und Eschenwälder mit erhöhtem Altholzanteil vor.

Das Tal wurde in den letzten Jahren ökologisch aufgewertet, indem die Altholzbestände unberührt der Sukzession überlassen werden und kleinere Entfichtungsmaßnahmen mit anschließender Entnahme der Verjüngung getätigt wurden. Die ökologischen Maßnahmen sind im Landschaftsplan verankert und werden durch Zuteilung von Ökopunkten vergütet, die der Gemeinde Simmerath als Ausgleich für andere bauliche Maßnahmen im Gemeindegebiet dienen.

Zukünftig sollen im Schilsbachtal einzelne Verrohrungen entnommen und Betonkastenprofile eingesetzt werden, um die Durchgängigkeit der Fließgewässer wieder herzustellen. Durch die Abstürze und Ausläufe ist momentan kein Durchkommen für Fische und andere Gewässerorganismen möglich. Voraussichtlich erfolgt hier eine Bezuschussung durch die Städteregion Aachen, so dass der Gemeinde Simmerath keine Kosten entstehen.

Eschen von Pilz befallen

Darüber hinaus wies Gemeindeförster Wunderlich auf einen Eschenbestand hin, der an dem Pilz „Falsches weißes Stängelbecherchen“ erkrankt ist. Dieser Pilz ist der Verursacher des Eschentriebsterbens. Es gibt in Deutschland kaum noch einen Eschenbestand, der nicht von dieser Krankheit betroffen ist. Geeignete Gegenmaßnahmen wurden bisher noch nicht gefunden. Die Wissenschaft ist in diesem Fall gefordert, genetisch resistentes Material für die Forstpflanzenzüchtung bereitzustellen. Im Gemeindegebiet Simmerath nimmt diese Baumart allerdings nur einen ganz geringen Flächenanteil in Anspruch.

Im Waldbereich Buhlert konnten sich die Mitglieder des Umwelt-, Forst- und Agrarausschusses einen Fichten- und Douglasienmischbestand anschauen, an dem die Folgen vergangener Sturmwurfereignisse erläutert wurden. Die Wasserspeicherkapazität der basenarmen, flachgründigen Böden im Buhlert ist als sehr gering zu bezeichnen. Die flachwurzelnde Fichte ist dort anfälliger für Pilzbefall und Sturmwurfereignisse, wie zuletzt beim Sturm „Burglind“ wieder ersichtlich wurde. Bereits sturmgeschädigte Bestände drohen bei den nächsten Sturmereignissen weiter aufzureißen. Folgeschäden, wie der Borkenkäferbefall, stellen die Forstwirtschaft zusätzlich vor eine wirtschaftliche und ökologische Herausforderung. Hier machen sich auch klimatische Veränderungen bemerkbar.

Wegebauplanung

Am Ende der Exkursion wurde auf die Wegebauplanung 2019 eingegangen. Hierzu besichtigte der Ausschuss den für 2019 zur Instandsetzung vorgesehenen Weg. Es handelt sich um einen rund 2000 Meter langen Rundweg im Buhlert, nahe der Westwallbunker, der in Teilbereichen wieder hergerichtet werden soll. Die Kosten für die Wegeinstandsetzung werden voraussichtlich 30 000 Euro betragen.

Die Ergebnisse der Besichtigungstour und weitere anstehende Beratungspunkte besprachen die Ausschussmitglieder dann bei der anschließenden Sitzung im Rathaus. Dort dankten die Vertreter der Fraktionen für eine aufschlussreiche Führung und dankten der Forstabteilung und ihrem Leiter für ausgezeichnete Arbeit.

Wald wirft 2017 fast 266 000 Euro Gewinn ab

Nach Abschluss des Forstwirtschaftsjahres 2017 weist der Forstwirtschaftsplan für das vergangene Jahr im vorläufigen Ergebnis einen Überschuss von 265 700 Euro aus. Damit wurde der im Ansatz berechnete Gewinn von 202 780 Euro um 63 000 Euro übertroffen. Der erhöhte Gewinn sei vor allem in den Wenigeraufwendungen für Personalkosten begründet, erläuterte die Verwaltung. Krankheitsbedingte Ausfälle des eigenen Personals hätten aber durch Mehreinsatz von Firmen in der Holzernte aufgefangen werden können, hieß es. Dies habe zwar zu einem Mehraufwand von 34 000 Euro in diesem Bereich geführt, sei aber durch das Einsparen der Personalkosten mehr als kompensiert worden, so die Verwaltung.

„Ich kann mich nicht an einen derartiges Plus in den letzten 20 Jahren erinnern“, freute sich Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns im Forstausschuss über das positive Ergebnis.

Fotos: Alexander Mießen, Norbert Schmitz

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