Eifeler Nahrichten

Verkehrsberuhigung am Ortseingang Rollesbroich funktioniert nicht

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Ortsvorsteher Marc Topp (SPD) wies nochmals auf „dringenden Handlungsbedarf an dieser Stelle hin“, denn wie dort teilweise „geflogen“ werde, sei gefährlich und unerträglich für die Menschen, die dort wohnen und leben.

Simmerath. Eigentlich kann man es den Autofahrern nicht verdenken, dass sie die Ortslage Rollesbroich noch nicht als solche wahrnehmen, wenn sie über die K 32 aus Richtung Simmerath in den Ort kommen.

Auf dem langen, schnurgeraden Teilstück ab Witzerath beschleunigen die meisten Fahrer naturgemäß, und wenig bis keine Bebauung lässt zumindest Ortsunkundige den eigentlichen Ortsanfang erst etwas weiter Richtung Kreuzung vermuten.

„Einflugschneise“

Um die so entstandene „Einflugschneise“ auf Bitte der Rollesbroicher Ortspolitik, vor allem aber im Sinne der dort wohnenden Bürger zu entschärfen, sind die Gemeinde Simmerath und die Städteregion Aachen als Baulastträger schon seit mehr als fünf Jahren um Lösungen zur Tempodrosselung bemüht.

Zunächst habe die Städteregion es mit mobilen Kontrollen versucht, die zwar einiges an Buß- und Verwarnungsgeldern in die Kasse spülten, „letztlich aber keine nachhaltige Veränderung des Geschwindigkeitsverhalten gebracht“ hätten, wie Ralf Oswald vom städteregionalen Bauamt nun im Simmerather Tiefbauausschuss berichtete.

„Deshalb beschlossen wir 2010, bauliche Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung und -lenkung einzubauen“, blendete der Verkehrsexperte des Straßenbaulastträgers zurück. Fünf Jahre später jedoch weiß man: Die beiden Verschwenkungen haben keine Drosselung des Temponiveaus bewirkt, im Gegenteil: Der ortskundige Verkehr hat sich längst mit den rot-weißen „Hindernissen“ mitten in der Straße arrangiert und passiert diese, fast ohne langsamer zu werden.
„Ich fahre dann immer frühzeitig auf die linke Fahrspur, um dem entgegenkommenden Auto zu zeigen, dass ich zuerst an der Engstelle war und er warten muss“, schilderte Claus Brust (UWG) offen und ehrlich aus eigener Erfahrung, wie dort sehr häufig ver- und gefahren wird.

Gibt jedoch keiner der entgegenkommenden Verkehrsteilnehmer nach, dann wird es buchstäblich eng, zumal man aufgrund der Kuppe, auf der die Stelle liegt, den Gegenverkehr sehr spät sieht. „Deswegen ist es an der Engstelle häufig zu gefährlichen Manövern und auch zu einigen Unfällen gekommen“, so Ralf Oswald. Auch wenn nur ein schwerer Unfall mit Sach- und Personenschäden passiert sei, sehe man hier dringend Handlungsbedarf. „Auf der Bickerather Straße und im Hengstbrüchelchen in Imgenbroich hat diese Art der Verkehrsberuhigung funktioniert – im Falle Rollesbroich leider nicht“, räumte Oswald ein.

Zwei Varianten vorgestellt

Der Verkehrsplaner stellte dem Ausschuss deshalb zwei Varianten einer veränderten Verkehrsberuhigung vor. Beide Vorschläge orientieren sich grundsätzlich an den bisher vorhanden Fahrbahnverschwenkungen, die jedoch etwas weiter auseinandergezogen werden. Zudem wird die Engstelle mittels Rüttelstreifen gleichsam angekündigt und verhindert eine Art „Mäusetunnel“ in der Straßenmitte ein frühzeitiges Wechseln der Fahrspur. In Variante zwei seien die Warnschilder zur Verschwenkung und die Mittelbegrenzung noch etwas deutlicher, erläuterte Ralf Oswald.

Heribert Linscheidt, sachkundiger Bürger aus Einruhr und Sprecher der CDU-Fraktion im Ausschuss, räumte ein, „dass wir uns in der Fraktion noch kein abschließendes Meinungsbild gemacht haben“. Linscheidt regte daher an, die Situation und die beiden Planvarianten in einer Bürgerinformation vorzustellen, „damit auch die Leute ihre Meinung äußern können, die hier betroffen sind oder die tagtäglich hier fahren“. Insbesondere das Aufbringen von Rüttelstreifen könne für die Anwohner auch zu Geräuschbelästigungen führen, warnte Lindscheidt.

Ortsvorsteher Marc Topp (SPD) wies nochmals auf „dringenden Handlungsbedarf an dieser Stelle hin“, denn wie dort teilweise „geflogen“ werde, sei gefährlich und unerträglich für die Menschen, die dort wohnen und leben. Insgesamt favorisiere die SPD die verschärfte Variante zwei, wobei der Rüttelstreifen auf jeden Fall so aufzubringen sei, dass kein Vorteil durch ein frühzeitiges Wechseln der Fahrbahn entstehe.

Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns verwies darauf, dass vor beginn der neuen Motorradsaison im Bereich der Jugendherberge Rurberg erstmals im Gemeindegebiet die sogenannten Rüttelstreifen getestet würden und es vielleicht sinnvoll sei, die Erfahrungen damit einmal abzuwarten. „Ich könnte mir vorstellen, dass wir mit Rüttelstreifen unmittelbar vor einem Wohnhaus ein neues Problem schaffen“, sagte Hermanns.

Andreas Hermanns (CDU), der als Polizeibeamter „schon einige Unfälle“in Rollesbroich habe aufnehmen müssen, hält alle baulichen Maßnahmen an dieser Stelle für wirkungslos und uneffektiv: „Diese Verschwenkungen sind ein künstliches Hindernis – auch in der hier vorgestellten neuen Form“, gab er seine persönliche Meinung kund und erhielt Zustimmung durch seinen Fraktionskollegen Stefan Haas: „Wir können hier Schilder noch und nöcher aufstellen – das ist alles verbranntes Geld“, sagte Simmeraths Ortsvorsteher. Andreas Hermanns regte stattdessen regelmäßige Kontrollen oder gar eine stationäre Geschwindigkeitsüberwachung an. „Das alleine hilft wirklich“, so seine Erfahrung.

Letztes Mittel der Wahl

Man habe bislang keine stationäre Überwachung in Erwägung gezogen, weil der Ortseingang dafür ein Unfallhäufungspunkt im amtlichen Sinne hätte sein müssen. Das Aufstellen einer festen Blitze sei zwar inzwischen auch ohne Unfallhäufung möglich, komme beim Bürger jedoch immer als Abzocke an. „Deshalb ist eine stationäre Messanlage immer das letzte Mittel der Wahl“, erklärte Ralf Oswald.

Schlussendlich einigte sich der Tiefbauausschuss darauf, mit den vorgetragenen Varianten in eine Bürgerinformation zu gehen, die Erfahrungen mit den Rurberger Rüttelstreifen abzuwarten und das Thema im Herbst erneut aufzugreifen. Bis dahin wird die Straßenmeisterei wohl noch häufiger die havarierten Warnschilder am Ortseingang einsammeln und ersetzen müssen.

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