Eifeler Zeitung, Heiner Schepp

Bei der Windenergie ganz weit vorne

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Simmerath und Monschau produzieren mehr „grünen Strom“ als sie selbst verbrauchen. Nur in Roetgen steht die Null.

NORDEIFEL Es gibt statistische Karten von Nordrhein-Westfalen, in denen der äußerste Südwesten des Landes und damit die Eifel keine gute Figur abgibt. Bei den Netz- und Internetgeschwindigkeiten, der (E-)Mobilität oder teils auch im Gesundheitswesen ist das beispielsweise der Fall. Es gibt aber auch Themen, wo die südliche Städteregion gut abschneidet, wie bei der Arbeitslosigkeit oder der Luft- und Lebensqualität. Zu den besser gestellten Kommunen des Landes gehören zumindest die Gemeinde Simmerath und Stadt Monschau aber auch bei der Nutzung der Erneuerbaren Energien.

Datensammlung vorgelegt

Zu diesem Ergebnis kommt die NRW-Landesregierung, die jetzt auf eine Große Anfrage der Grünen im Landtag eine umfangreiche Datensammlung vorlegte, die die Nutzung der Erneuerbaren Energien im Land für jede einzelne Kommune dokumentiert. Wie viel Strom aus Windkraft und Photovoltaik in NRW erzeugt werden könnte, hatte die Landesregierung bereits 2012 gemeindescharf untersucht. Auf der Basis dieser Daten wurde nun der Ist-Zustand 2019 verglichen. Demnach bietet die Windenergie neben der Sonnenenergie die größten Potenziale in NRW. Allerdings gibt es hier gewaltige Unterschiede zwischen den Kommunen, die beispielsweise bei der Windenergie von Kommunen mit null Prozent Ausschöpfung (darunter auch die Gemeinde Roetgen) bis zur niederrheinischen Stadt Rees mit 199 Prozent Windenergienutzung reichen.

Einen Platz im oberen Tableau der Windenergienutzung belegen auch die beiden südlichsten Städteregionskommunen, wobei die Gemeinde Simmerath in den nächsten Jahren sogar in die Spitze dieses NRW-Rankings vorstoßen könnte. „Wir sind aktuell im Genehmigungsverfahren für zwei weitere Windkraftanlagen im Lammersdorfer Wald, die als Ergänzung zum vorhandenen Windpark Simmerath weitere Potenziale ausschöpfen sollen. Außerdem läuft ein europaweites Ausschreibungsverfahren für den Windpark Buhlert bei Strauch“, erläutert Bennet Gielen, Beigeordneter der Gemeinde Simmerath. Wenn beide Vorhaben realisiert würden, schöpfe die Gemeinde Simmerath das vom Land errechnete Potenzial zu über 100 Prozent aus, was aktuell nur sechs der 359 Kommunen in ganz NRW schaffen. Schon jetzt ist die Gemeinde Simmerath Exporteur in Sachen Erneuerbare Energien, das heißt, es wird in der Gemeinde Simmerath mehr „grüner Strom“ erzeugt als man selbst verbraucht.

Um langfristig den Kohleausstieg zu realisieren (hier das Kraftwerk Weisweiler), setzt auch Nordrhein-Westfalen auf Erneuerbare Energien. Zahllose Windkraftanlagen prägen bereits die Landschaft in der Eifel und im Dürener Land, auch die Solarenergienutzung auf Dachflächen gewinnt an Bedeutung. Foto: Heiner Schepp

So wie Simmerath hat sich auch die Stadt Monschau planerisch für die Windkraftnutzung in konzentrierter Form und durch entsprechende Ausweisung von Konzentrationszonen entschieden. „Wir wollten keine ‚Verspargelung‘ im Landschaftsbild durch Einzelanlagen und wir wollten noch freie Blickachsen ermöglichen“, erläutert Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter. Um den Ausgleich von Natur und Mensch zu berücksichtigen, habe man daher die Konzentrationszone im Waldgebiet hinter Monschau-Höfen favorisiert. „Gerne hätten wir dort zehn Anlagen errichtet, was planerisch aber nicht möglich war. Es wurden hinter dem bereits vorhandenen Windpark daher zurzeit nur fünf Anlagen gebaut“, so die Bürgermeisterin. Zurzeit betreibe man aber in Monschau diesbezüglich keine weiteren Planungen. Das gelte auch für die Solarnutzungen, wo man zwar schon Gespräche geführt habe, jedoch laut Ritter „noch nicht konkret in Planungen eingestiegen“ sei.

Hier ist die Nachbargemeinde schon einen kleinen Schritt weiter, wie Bennet Gielen berichtet. Nach der vorhandenen Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Grundschule Steckenborn sollen in Kürze ähnliche Anlagen auch auf den Grundschulgebäuden in Lammersdorf und Simmerath sowie auf der Förderschule in Eicherscheid installiert werden. „Diese Nutzung Erneuerbarer Energien wollen wir in Zukunft sukzessive auch auf anderen gemeindlichen Gebäuden vorantreiben“, künigt der Beigeordnete an.

Ganz anders ist die Lage diesbezüglich in Roetgen, wie Bauamtsleiter Dirk Meyer einräumt: „Ohne Zweifel ist das Potential in der Gemeinde Roetgen noch nicht ausgeschöpft. Bekanntlich gibt es auf Roetgener Gemeindegebiet keine einzige Windkraftanlage. Mit den Anlagen auf Aachener Gemeindegebiet im Münsterwald ist zumindest wieder Bewegung in die Diskussion gekommen. Derzeit erarbeiten wir mit einem Planungsbüro eine Potentialanalyse, um geeignete Flächen zu ermitteln. Die Ergebnisse sollten im Januar vorliegen und im Bauausschuss vorgestellt werden. Dann wird man entscheiden müssen, ob eine vertiefte Betrachtung oder sogar eine Änderung des Flächennutzungsplans zur Darstellung weiterer Konzentrationszonen im Gemeindegebiet erfolgen soll.“

Überprüfungen

Positiv hervorzuheben sei, dass sich in Roetgen ein Verein „Roetgen mach Watt e.V.“ gegründet habe, der sich ebenfalls mit dieser Thematik auseinandersetze. „Derzeit sind wir in Gesprächen, die gemeindeeigenen Gebäude auf ihre Eignung hinsichtlich Photovoltaik hin zu überprüfen. Einige gemeindliche Gebäude sind bereits seit einigen Jahren ausgerüstet. Auch innogy betrachtet derzeit das Gebäude der Grundschule daraufhin“, so Meyer.

Keine Rolle spielt in allen drei Nordeifelgemeinden das Thema Freiflächen-Photovoltaik. Das liegt aber weniger an fehlenden Sonnenstunden in der Eifel, sondern am äußerst restriktiven Genehmigungsverfahren, wie Beigeordneter Gielen in anderen Kommunen beobachtet hat. „Selbst wenn man geeignete Flächen hat, sind da wohl große Auflagen mit verknüpft, die die meisten Investoren abschrecken“, so Gielen.

„Neben der Windkraft und Solarnutzung seien natürlich auch andere Erneuerbare Energien denkbar, so die Wasserkraft oder Geothermie, die auch interessante Energieressourcen in Monschau darstellen könnten“, sagt Margareta Ritter und hält fest: „Wir stehen diesen Nutzungen positiv und offen gegenüber, soweit sie landschaftsverträglich umsetzbar sind.“

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